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"WELTTAG DER MUTTERSPRACHE"

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UNESCO - International Mother Language Day

Artikel im STERN

Jede zweite Sprache ist in Gefahr

Aus Anlass des weltweiten Tages der Muttersprachen an diesem Donnerstag hat der Verein Deutsche Sprache alle Bundesbürger zu mehr Respekt vor ihrer Muttersprache aufgerufen. "Vor allem in Werbung und Wirtschaft wird die deutsche Sprache heute nur noch als Füllsel zwischen englischen Wortbrocken benutzt", sagte der Vorsitzende Prof. Walter Krämer. "Dadurch verkommt die Sprache Goethes und Schillers zu einem regionalen Pidgin-Dialekt."

Standortvorteil Muttersprache
Nach Krämers Ansicht ist eine ausdrucksstarke und geschmeidige Muttersprache ein Standortvorteil, den deutsche Unternehmen mit ihrem "Denglisch-Wahn" aufs Spiel setzen. Der Wissenschaftler aus Münster führt einen großen Teil der wirtschaftlichen Verluste in deutschen Industriekonzernen mit Beteiligung an angelsächsischen Unternehmen auf die Einführung der "Konzernsprache BSE" ("Bad Simple Englisch") zurück. In einem Deutsch-Englisch-Gemisch sei weder kreatives Denken noch Verhandeln möglich.

3000 Sprachen vor dem Verschwinden
Nach Einschätzung der UNESCO ist rund die Hälfte der weltweit 6.000 Sprachen gefährdet oder steht bereits kurz vor dem Verschwinden. Allein in Europa sind 50 Sprachen betroffen, erklärte die UN-Organisation. Der Verlust der Sprachenvielfalt in den letzten 300 Jahren sei dramatisch und habe sich beschleunigt. Ursache sei häufig der Kontakt mit einer aggressiveren oder wirtschaftlich überlegenen Kultur.

Englisch, Russisch, Chinesisch, Spanisch und Französisch sind auf dem Vormarsch, heißt es in einem Atlas der vom Verschwinden bedrohten Sprachen. Mit den Sprachen geht wertvolles Wissen der Menschen und Teile ihrer Weltsicht unwiderbringlich verloren. In Europa sind viele Minderheiten-Sprachen wegen repressiver Regierungspolitik bedroht und haben erst in jüngster Zeit wieder Fürsprecher gefunden. So setzte die UN-Organisation für Bildung, Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation allein in Frankreich 14 Sprachen auf die Rote Liste. Nur wenige europäische Länder wie die Schweiz und Norwegen fördern schon seit längerem die Mehrsprachigkeit.

Auch afrikanische Sprachen bedroht
Auch in Indien überleben deshalb viele Sprachen. Dagegen sind in Sibirien alle 40 lokalen Sprachen vom Russischen bedroht. Großem Druck sind den Angaben zufolge auch kulturelle Minderheiten in China ausgesetzt. In den USA haben nur 150 Indianer-Sprachen das Vordringen der europäischen Einwanderer überlebt. In Zentral- und Südafrika verdrängen Spanisch und Portugiesisch die alten Sprachen.

Für Vielfalt und kulturelle Identität
Der Internationale Tag der Muttersprachen wurde von der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) im November 1999 ausgerufen. Er soll sprachliche Vielfalt und kulturelle Identität fördern.

Quelle: "Stern" www.stern.de | Kultur | Lounge | Kulturwelt